Sustainability

Corporate Sustainability: Alles Wissenswerte für ein nachhaltiges Unternehmen

Redakteurin Catrin Birmele

Catrin Birmele

Online-Redakteurin

Lesedauer unter

4

Minuten

Eine Person sitzt in einem modernen, lichtdurchfluteten Raum auf einem Sofa und arbeitet an einem Laptop. Sie trägt einen rostfarbenen Blazer und helle Hosen.

In Kürze zusammengefasst

Corporate Sustainability (CS) steht für einen ganzheitlichen Ansatz nachhaltiger Unternehmensführung: ökologisch, sozial und ökonomisch. Der Beitrag zeigt, wie sich Nachhaltigkeit strategisch im Unternehmen verankern lässt, worin der Unterschied zu Corporate Social Responsibilty (CSR) liegt und welche Rolle Kennzahlen, Reporting und digitale Tools spielen.

Corporate Sustainability: Definition und Einordnung

Corporate Sustainability beschreibt die systematische Ausrichtung eines Unternehmens auf ökologische, soziale und ökonomische Ziele, um langfristig Wert zu schaffen und Risiken zu reduzieren. Kurz gesagt: Es geht um nachhaltige Unternehmensführung, die Geschäftserfolg und Wirkung zusammen denkt. Corporate Sustainability wird als Teil der Strategie, Steuerung und täglichen Entscheidungen verankert, nicht als Nebenprojekt. Im Unterschied zur Nachhaltigkeit im Alltag fokussiert Corporate Sustainability sich auf die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens: vom Produktdesign über Beschaffung und Produktion bis hin zu Finanzierung, Personal und Vertrieb. Ziel ist es, messbare Verbesserungen zu erreichen, z. B. geringere Emissionen, resilientere Lieferketten, höhere Arbeitgeberattraktivität und dennoch tragfähige Renditen.

CS vs. CSR: Wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Sustainability (CS) sind eng verwandt. In der Praxis werden sie oft synonym genutzt, in der Theorie gibt es jedoch eine Abgrenzung:

  • CSR bezeichnet die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und fokussiert vor allem soziale und ökologische Aspekte des Kerngeschäfts, während die Wirtschaftlichkeit eher als Rahmenbedingung mitgedacht wird. Es geht darum, wie Gewinne erwirtschaftet werden, etwa durch faire Arbeitsbedingungen, Umweltschutzmaßnahmen und Achtung von Menschenrechten entlang der Wertschöpfungskette.
  • CS steht für Corporate Sustainability und meint „unternehmerische Nachhaltigkeit“, also die integrierte Berücksichtigung aller drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Soziales und Ökonomie. Bei CS sollen Produkte und Dienstleistungen insgesamt zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise beitragen, nicht nur einzelne Projekte oder Teilbereiche.

Zentrale Unterschiede

  • CSR ist konzeptionell enger gefasst und beschreibt den spezifischen Beitrag von Unternehmen zur Nachhaltigkeit, insbesondere in sozialer und ökologischer Hinsicht.
  • CS ist breiter angelegt und integriert ökologische, soziale und ökonomische Ziele gleichrangig in der gesamten Unternehmensstrategie und -steuerung.

In der wissenschaftlichen Diskussion wird oft betont, dass CS stärker die ganzheitliche, strategische Ausrichtung eines Geschäftsmodells auf Nachhaltigkeit beschreibt, während CSR als Teil- bzw. Beitrag dazu verstanden werden kann.

Die drei Säulen der Corporate Sustainability

  • Ökologie: Klimaschutz, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Materialien, Wasser- und Abfallmanagement.
  • Soziales: Arbeitssicherheit, Qualifizierung, Diversität & Inklusion, Arbeits- und Menschenrechte in der Lieferkette, faire Entlohnung, Mitbestimmung.
  • Ökonomie/Governance: Profitabilität, Resilienz, Innovationsfähigkeit, saubere Prozesse, klare Verantwortlichkeiten, wirksame Kontrollsysteme.

Entscheidend ist die Wesentlichkeit: Unternehmen priorisieren Themen mit dem größten Einfluss auf Geschäftserfolg und Stakeholder und setzen dort ihre Ziele und Maßnahmen.

Umsetzung im Unternehmen: Von der Strategie zur Praxis

Der Weg zur wirksamen Corporate Sustainability beginnt mit einer Wesentlichkeitsanalyse: Welche Themen sind finanziell relevant und wo entsteht echter Impact? Daraus folgt eine Roadmap mit Zielen, KPIs, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten.
Typische Hebel:

  • Einkauf & Lieferkette: Lieferantenauswahl, CO₂-Datenanfragen, Auditprogramme, Partnerschaften.
  • Produkt & Entwicklung: Ökodesign, langlebige/kreislauffähige Produkte, Reparierbarkeit, Sharing- oder Rücknahme-Modelle.
  • Operative Prozesse: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Prozessoptimierung, Abwärmenutzung.
  • Finanzierung: Anschaffungs- und Betriebskosten mit Klimazielen verknüpfen, interne CO₂-Preise, Nachhaltigkeits-KPIs im Budgetprozess.
  • HR & Kultur: Trainings, Zielvereinbarungen, transparente Kommunikation, Incentives für messbaren Fortschritt.

Change Management spielt dabei eine entscheidende Rolle: Klare Verantwortlichkeiten, funktionierende Gremienstrukturen und eine durchdachte Governance schaffen Orientierung. Erste sichtbare Erfolge, sogenannte „Quick Wins“, fördern die Akzeptanz im Unternehmen. Mit gezielten Pilotprojekten und einer Kultur des Lernens gelingt es, Nachhaltigkeit Schritt für Schritt im Arbeitsalltag zu verankern und sie damit weit über den Rahmen eines Jahresberichts hinaus wirksam zu machen.

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Praxisbeispiel Corporate Sustainability: „Kreislaufprinzip“ bei Frosch

Frosch1 (Werner & Mertz) entwickelt Produkte und Verpackungen so, dass Materialien zu großen Teilen im Wertstoffkreislauf bleiben. Das heißt: Rezepturen und Gebinde sind nach Angaben des Unternehmens auf hochwertige Wiederverwertung ausgelegt. Flaschenkörper bestehen aus Recyclingplastik aus haushaltsnahen Sammlungen wie Gelbem Sack oder Gelber Tonne. Damit möchte das Unternehmen den Materialkreislauf größtenteils schließen, reduziert Primärrohstoffe und vermeidet Abfall. Entscheidend ist die gemeinsame Rolle von Unternehmen und Verbraucher:innen: Wer richtig trennt, liefert die Basis für Rezyklat. Frosch nutzt dieses Material wieder für neue Verpackungen. So soll Nachhaltigkeit vom Prinzip zur Praxis und entlang der gesamten Wertschöpfung gelebt werden.

Daten und Tools: Corporate Sustainability Software sinnvoll nutzen

Ohne belastbare Daten bleibt vieles nur Behauptung. Nachhaltigkeits-Software bündelt Datenerhebung und -qualität, unterstützt Workflows und dokumentiert nachvollziehbar die Entwicklungen. Sie verbindet Quellen aus ERP-, Energie- oder HR-Systemen, automatisiert Berechnungen (z. B. Emissionen), und stellt Dashboards für Management und Fachbereiche bereit.

Worauf gilt es zu achten?
Datenmodell & Skalierbarkeit: wachsende Anforderungen, zusätzliche KPIs, neue Standorte.
Usability: Fachbereiche müssen Daten einfach erfassen und prüfen können.
Schnittstellen: reibungslose Anbindung an vorhandene Systeme.
Reporting-Fähigkeiten: flexible Berichte Reporting und interne Steuerung.
Kontroll- & Freigabeprozesse: Vier-Augen-Prinzip, Versionierung, Nachvollziehbarkeit.


Manuelle Excel-Routinen entfallen, stattdessen bleibt mehr Zeit für fundierte Analysen und bessere Entscheidungen.

Corporate Sustainability Reporting: Messung und Standards

Corporate Sustainability Reporting macht nachhaltige Leistung sichtbar und steuerbar. Im Kern geht es darum, Ziele festzulegen, den Fortschritt verlässlich zu messen und Vertrauen bei internen wie externen Stakeholdern aufzubauen. Unternehmen definieren dafür klare Zielpfade, etwa eine Emissionsreduktion bis 2030 und verfolgen zentrale KPIs wie Emissionen, Energieverbrauch, Unfallraten, Fluktuation oder Diversität. Entscheidend ist die Konsistenz über mehrere Berichtsperioden, damit Trends und Wirkung erkennbar werden.

Regulatorische Vorgaben wie CSRD/ESRS dienen als Referenzrahmen, stehen hier aber nicht im Fokus. Wichtig ist vor allem die Qualität der Daten, saubere Prozesse, belastbare Nachweise, klare Rollen und wirksame interne Kontrollen. In der Praxis hilft es, zuerst festzulegen, welche Informationen das Management und die wichtigsten Stakeholder tatsächlich brauchen. Anschließend sind die Datenflüsse, Systeme und Verantwortlichkeiten genau darauf auszurichten. So entsteht ein fokussierter Bericht, der schlank bleibt, nützlich ist und die Steuerung von Corporate Sustainability spürbar verbessert.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Rolle spielt Corporate Sustainability Software?

Sie macht Daten belastbar und Abläufe prüfbar, indem sie automatische Datensammlung und -berechnung (z. B. Emissionen), klare Arbeitsabläufe, ein digitaler Prüfpfad für alle Änderungen bereit stellt. Zudem ermöglicht sie flexible Berichte, sowohl zur internen Steuerung als auch für die externe Nachhaltigkeitsberichterstattung, falls erforderlich.

Welche typischen Herausforderungen treten auf und wie löst man sie?

Datenlücken, Lieferkettentransparenz, knappe Ressourcen. Erprobte Gegenmittel sind etwa klare Governance, priorisierte Roadmap, Software-gestützte Datenerfassung, Schulungen und Kooperationen mit Schlüssellieferanten.

Wie implementiert man Corporate Sustainability wirksam?

Mit einer Wesentlichkeitsanalyse starten, Ziele und KPIs festlegen, Verantwortlichkeiten klären, Pilotbereiche wählen, Quick Wins heben und parallel die Datenbasis aufbauen. Dazu müssen frühzeitig alle betroffenen Bereiche eingebunden werden.

Wie misst man Fortschritt?

Über definierte KPIs (z. B. Emissionen, Energieintensität, Unfallrate, Fluktuation, Diversity-Quoten, Lieferantenabdeckung), Zielpfade und regelmäßige Reviews. Wichtig sind Datenqualität, Vergleichbarkeit und Trends.

Quellenangaben

1 https://frosch.de/de/das-kreislaufprinzip

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